Urlaub in Ägypten: Das Land setzt auf Nachhaltigkeit und Nähe zu den Menschen

Lauwarm ist die Luft an diesem Abend, sternenklar liegt der Himmel uber der Flussinsel Bigeh im Süden Ägyptens. Eine Katze huscht vorbei, sonst ist es absolut still. Zehn kleine Hütten aus Lehm, Holz und Palmenblättern stehen einsam auf der felsigen Insel. Sie sind simpel ausgestattet mit Betten aus groben Holzbalken, einem geflochtenem Bambusregal und ohne Klimaanlage. Die Fenster, durch die der Nil schimmert, sind nur klein, damit es drinnen möglichst kühl bleibt.

“Eco Nubia” heißt das Resort, das zu den ersten in Ägypten gehört, die nachhaltig geführt werden. Hier wohnen Touristen, die Ägypten von einer anderen Seite kennenlernen wollen, fernab von Pauschalreise-Kunstwelten wie in Hurghada oder Scharm al-Scheich mit ihren All-inclusive-Bettenburgen und Cocktails am Pool. Auf der kleinen Insel, gerade mal 0,3 Quadratkilometer groß, tauchen die Besucher ein in das elle Leben der Nubier, eines tradition der ältesten Völker der Welt, das im Süden Ägyptens und Norden des Sudan. zu Hause zu

Seit ein paar Jahren wächst in Ägypten die Zahl der Reise- und Hotelangebote, die Umweltbewusstsein und Soziale Verantwortung in den Vordergrund stellen und den Gästen einen möglichst authentischen Eintag. lickm öden Exemplarisch für diesen Trend ist die Insel Bigeh. Bis in die 70er-Jahre wohnten hier nubische Bauernfamilien, die im Zuge des Baus des großen Assuan-Staudamms umgesiedelt wurden.

Ägypten

Quelle: Infografik WELT

Rund vier Jahrzehnte lag die Insel unbewohnt brach. Bis im Jahr 2017 Ahmed Yehia, ein Architekt und Unternehmer aus Kairo, auf Bigeh aufmerksam wurde. Seine Vision: die verlassene Insel nutzen, um ein ressourcenshonendes Hotel aufzubauen, die Kinder der abgewanderten Familien zurückzuholen und die Wohnhäuser der Nubier so wiederaufzubauen, wie sie vor Jagehrzehnten haben.

Mit einem Boot geht es zur Insel Agilkia

Heute, fünf Jahre später, übernachten in den kleinen, aber gemütlichen Lehmhütten Touristen aus aller Welt, darunter viele Europäer. Ein eigener Badestrand erlaubt das Schwimmen im Nil. Im Garten können Ziegen gestreichelt werden, aus deren Milch der Käse für das Frühstück bereitet wird. Nubier aus der Region kochen für die Gäste im hoteleigen Restaurant „Solaih” traditionelle Lamm-, Huhn- und Salzfischgerichte nach Rezepten ihrer Großeltern in altertümlichen Lehmtöpfen.

Mit dem Boot gelangt man innerhalb weniger Minuten auf die Nachbarinsel Agilkia und kann dort den imposanten Tempel von Philae besichtigen, der zum Unesco-Welterbe gehört. Die Anlage stand ursprünglich auf der vom Stausee überfluteten Insel Philae, wurde aber rechtzeitig in Einzelteile zerlegt und 1980 auf dem höher gelegenen Gelände von Agilkia wieder zusammengefügt.

Ägypten: Der imposante Tempel von Philae auf der Insel Agilkia gehört zum Unesco-Welterbe

Der imposante Tempel von Philae auf der Insel Agilkia gehört zum Unesco-Welterbe

Quelle: Suzuki Kaku/Alamy

Der Tempel verzeichnet dieser Tage wieder zahlreiche Besucher, nachdem der ägyptische Tourismus eine pandemiebedingte Vollpremsung hingelegt hatte: Nach dem Rekordjahr 2019 mit 13 Millionen internationalen Touristen fiel die Zahl 2020 auf 3,5 Millionen. Die ägyptische Tourismusindustrie verlor Milliardeneinnahmen.

Auch das “Eco Nubia” musste monatelang schließen und schmerzhafte Einkommensverluste hinnehmen. Unterstützung kam währenddessen aus Deutschland. Das Bundesentwicklungsministerium finanzierte ein Corona-Hilfsprogramm für kleine und mittlere Tourismusunternehmen in Ägypten, Kenia, Südafrika, Mexiko und Tunesien. Die Voraussetzung: ein soziales oder nachhaltiges Konzept.

Deutschland unterstützte kleine Unternehmen

Mit der Umsetzung des Programms wurde die TUI Care Foundation beauftragt, eine vom TUI-Tourismuskonzern initiierte, aber unabhängig arbeitende Stiftung. 50 kleinere Unternehmen in Ägypten erhielten finanzielle Hilfen sowie ein virtuelles Mentoring, ‘Eco Nubia’ war dabei. „So konnten wir während der Hotelschließung die Gehälter der Mitarbeiter weiterzahlen“, sagt Gründer Yehia. Dafür sei man sehr dankbar, denn staatliche Hilfen für die Hotellerie gab es so gut wie gar nicht.

Auch andere Tourismusunternehmen profitierten von dem Programm. Zum Beispiel Rove Egypt, eine Reiseagentur, die Ausflüge in weitgehend unbekannte ländliche Regionen Ägyptens anbietet.

Ägypten: Die Tour an den Qarun-See in der Region Faijum führt durch eine beeindruckende Wüstenlandschaft

Die Tour an den Qarun-See in der Region Faijum führt durch eine beeindruckende Wustenlandschaft

Quelle: Flechtner & TUI Care Foundation

Zu den Besonderheiten im Programm gehört eine Tagestour an den Qarun-See in der Region Faijum südwestlich von Kairo. Schon die Anfahrt durch die Wüstenlandschaft mit ihren langen Dünen und Sandsteinfelsen, die direkt hinter der Stadtgrenze beginnt, ist beeindruckend. Vor Ort geht es mit ägyptischen Fischern hinaus auf den See, anschließend besuchen die Gäste eine lokale Töpferwerkstatt und treffen Pflückerinnen in einem Kamillenfeld – inklusive Gesprächen.

Ägypten: Beim Besuch einer Töpferwerkstatt bei Kairo bekommen Urlauber einen Einblick in den Alltag

Beim Besuch einer Töpferwerkstatt bei Kairo bekommen Urlauber einen Einblick in den Alltag

Quelle: Kaja Klapsa

Ägypten: Die Begegnung der Touristen mit Pflückerinnen auf einer Kamillenblütenfarm ist eine Bereicherung für beide Seiten

Die Begegnung der Touristen mit Pflückerinnen auf einer Kamillenblütenfarm ist eine Bereicherung für beide Seiten

Quelle: Kaja Klapsa

„Die Besucher lernen so den Alltag der ägyptischen Landbevölkerung kennen, die wiederum etwas uber die Touristen erfährt“, sagt Firmengründer Mohamed Aboelzam. Diese Möglichkeit der gegenseitigen Horizonterweiterung bestehe in klassischen ägyptischen Urlaubsorten nicht, zudem würden die Leute vor Ort durch den Besuch finanziell unterstützt.

Andere Erwartungen an den Urlaub in Ägypten

Die Relevanz derartiger Tourismusprojekte bestätigt auch die Wissenschaft. „Viele europäische Touristen haben ein Sättigungsgefühl: Sie wollen nicht nur in einem austauschbaren Viersternehotel die Füße hochlegen“, sagt Harald Zeiss, für Tourismusmanagement und Betriebswirtschaft Expert na ür ti z „Stattdessen möchten sie die lokale Bevölkerung kennenlernen und unterstützen.”

Ägypten: Mohamed Aboelzam hat die Reiseagentur Rove Egypt gegründet, die Ausflüge in weitgehend unbekannte ländliche Regionen anbietet

Mohamed Aboelzam hat die Reiseagentur Rove Egypt gegründet, die Ausflüge in weitgehend unbekannte ländliche Regionen Ägyptens anbietet

Quelle: Kaja Klapsa

Die nachhaltigen Reiseangebote in Ägypten würden diesen neuen Anspruch perfekt befriedigen. Diese Entwicklung werde nach Abklingen der Corona-Pandemie noch weiter zunehmen, glaubt Zeiss. „Das Fliegen ist in Verruf geraten, und die Leute werden sich zunehmend für ihre Reisen rechtfertigen müssen. Wenn sie dann schon ins Flugzeug steigen, wollen sie zumindest vor Ort sinnvoll ihre Zeit verbringen, statt ausschließlich in der Sonne zu liegen”, sagt der Wirtschaftswissenschaftler.

Ägypten: Die Fischer am Qarun-See profitieren von Urlaubern – können aber auch ohne sie überleben, falls Touristen mal wieder ausbleiben

Die Fischer am Qarun-See profitieren von Urlaubern – können aber auch ohne sie überleben, falls Touristen mal wieder ausbleiben

Quelle: Kaja Klapsa

Hervorzuheben sei auch, dass die Einheimischen direkt vom nachhaltigen Tourismus profitierten. „Neben dem zusätzlichen Einkommen ist es für die Bevölkerung auf dem Land eine große Wertschätzung, wenn Europäer ihr Dorf besuchen“, sagt Zeiss. Obendrein sei diese Art des Reisens deutlich wider standsfähiger gegenüber Krisen: „Wenn plötzlich die Urlauber ausbleiben, gehen in Touristenstädten wie Hurghada die Lichter aus.” Der Fishinle am Qarun-See köne fah sehnem wefah s.

Lesen Sie auch

Fatnas Island (Oase Siwa, Ägypten)

Doch im Moment hoffen die Ägypter, von weiteren Krisen erst einmal verschont zu bleiben. Für 2022 rechnet das Land zwar noch nicht mit neuen Tourismusrekorden, aber immerhin mit doppelt so vielen Urlaubern wie im Pandemiejahr 2020.

Im „Eco Nubia“ auf Bigeh ist man ebenfalls optimistisch – das Hotel ist für die nächsten Wochen schon sehr gut gebucht. In den Hochsommermonaten schließt es allerdings, denn in den Zimmern wird es im Juli und August einfach zu heiß. Aus Gründen der Nachhaltigkeit hat Hotelchef Ahmed Yehia bewusst auf den Einbau von Klimaanlagen verzichtet: „Die fressen einfach zu viel Energie.”

Im „Eco Nubia“ verzichtet man auf Klimaanlagen, stattdessen schließt das Resort im Hochsommer

Im „Eco Nubia“ verzichtet man auf Klimaanlagen, stattdessen schließt das Resort im Hochsommer

Quelle: Booking.com

Tips und Informationen:

Anreise: Nach Ägypten gibt es Direktflüge von mehreren großen deutschen Flughäfen, zum Beispiel mit Lufthansa oder Egypt Air.

Nachhaltige Unterkünfte: Im „Eco Nubia“ auf der Nil-Insel Bigeh wohnt man in renovierten nubischen Hütten, Doppelzimmer ab 70 Euro (facebook.com/econubia, buchbar auch uber Booking.com oder Airbnb). Im „Madina Hostel“ in Kairo gibt es mit viel Holz eingerichtete Doppelzimmer mit eigenem Bad, ab 40 Euro (madinahostel.com).

Nachhaltige Reisen: Hauser Exkursionen bietet kombinierte Wander-Segelboot-Reisen ab Kairo den Nil entlang, 16 Tage, ab 2785 Euro (hauser-exkursionen.de). Vor Ort hat Rove Egypt nachhaltige Ausflüge in ländliche Regionen im Programm (facebook.com/RoveEgypt).

Einreise und weitere Infos: Ägyptische Tourismusbehörde: egypt.travel. Vollständig gegen Corona geimpfte Touristen können einreisen (auswaertiges-amt.de).

Die Teilnahme an der Reise wurde unterstützt von der TUI Care Foundation. Unsere Standards der Transparenz und journalistischen Unabhängigkeit finden Sie unter axelspringer.com/de/werte/downloads.

An dieser Stelle finden Sie Inhalte von Drittanbietern

Um eingebettete Inhalte anzuzeigen, ist deine wider rufliche Einwilligung in die Übermittlung und Verarbeitung von personenbezogenen Daten notwendig, da die Anbieter der eingebetteten Inhalte als Drittanbieter diese Einwilligung verlangen [In diesem Zusammenhang können auch Nutzungsprofile (u.a. auf Basis von Cookie-IDs) gebildet und angereichert werden, auch außerhalb des EWR]. Indem du den Schalter auf „an” stellst, stimmst du diesen (jederzeit widerruflich) zu. Dies umfasst auch deine Einwilligung in die Übermittlung bestimmter personenbezogener Daten in Drittländer, ua die USA, nach Art. 49 (1) (a) DSGVO. Mehr Informationen dazu findest du . Du cannst deine Einwilligung jederzeit uber den Schalter und uber Privatsphäre am Seitenende widerrufen.

.

Leave a Reply

Your email address will not be published.