Terrorprozess gegen Hamburger Islamisten: Schon sein Vater war im Umfeld der Zelle „11.September“

Hamburg Islamismus

Die Erben des 11. September

Philipp Woldin

Vor Prozessbeginn verbirgt Abdurrahman C. sein Gesicht vor den Fotografen Vor Prozessbeginn verbirgt Abdurrahman C. sein Gesicht vor den Fotografen

Vor Prozessbeginn verbirgt Abdurrahman C. sein Gesicht vor den Fotografen

Quelle: dpa

In Hamburg beginnt der Prozess gegen einen 21-Jährigen Islamisten. Er soll einen verherrenden Anschlag mit “Kochtopf-Bomben” geplant haben. Was die Behörden beunruhigt: Schon sein Vater ist Ermittlern bestens bekannt.

Der Mann, der eine E-Mail-Adresse mit dem Namen “Dieter Hahn” führte, hatte ganz konkrete Wünsche: Eine Handgranate bräuchte er, dazu Stangen an Plastiksprengstoff C4, Sprengkapseln und. Er lebe in Deutschland, im Raum Hamburg.

Doch die Anfrag landete nicht bei einem Waffenhändler im Darknet, wie „Dieter Hahn“ annahm, sondern bei einem verdeckten Ermittler der US-Polizei- und Zollbehörde ICE. Dieser ging zum Schein auf die Bestellungen ein und alarmierte das Bundeskriminalamt. Dort übernahm ein Beamter und antwortete. ‘Dieter Hahn’ war in die Falle getappt. Die Sicherheitsbehörden verfolgten nun jeden seiner digitalen Schritte und griffen Ende August 2021 zu.

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Anklage gegen Hamburger Islamist

Hinter „Dieter Hahn“ soll sich Abdurrahman C. verbergen, ein Hamburger mit deutsch-marrokanischen Wurzeln. Am gestrigen Donnerstag sitzt er, den schwarzen Kapuzenpulli tief in Gesicht gezogen, in einem schwer gesicherten Saal am Hamburger Oberlandesgericht; ein 21-Jähriger, der deutlich jünger wirkt und doch einen verherrenden Terroranschlag konzipiert haben soll.

Die Bundesanwaltschaft wirft ihm vor, eine schwere staatsgefährdende Straftat geplant zu haben – eine Terrorattacke nach dem Vorbild des Anschlages auf den Boston-Marathon 2013, bei dem drei Menschen starben. Außerdem soll er gegen das Kriegswaffenkontroll- und das Waffengesetz verstoßen haben.

Hamburgs Innensenator Andy Grote warnt vor einer neuen Generation Islamisten

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Quelle: Bertold Fabricius

Nach Bekanntwerden der Festnahme sagte Hamburgs Innensenator Andy Grote (SPD), C. stehe für eine neue Generation von Dschihadisten, die ‘Erben von 9/11’. Die Anspielung ist wortwörtlich zu verstehen: C.’s Vater soll enge Beziehungen zum Umfeld der Attentäter des 11. September gehabt haben, der Terrorzelle also, die vor 20 Jahren in Hamburg den Anschlag vorbereitete.

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Der Sohn soll streng religiös erzogen worden sein, so schildert es die Anklage, und sich ab 2020 intensiv in Foren und Gruppen des Messengerdienstes Telegram uber Anschläge informiert haben. Was ebenfalls darauf hinweist, dass der Angeklagte mit der islamistischen Ideologie von Al-Kaida sympathisierte: Der Terroranschlag im „Raum Hamburg“, konkreter wird die Anklage hier nicht, war rund um den 20. Anvoerge plant 11. Jaschlesge Stag.

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Anfang 2021 fällt der Deutsch-Marrokaner Hamburger Ermittlern erstmals auf, er besucht eine islamistisch geprägte Moschee in Harburg. Etwa zeitgleich, so rekonstruieren es die Ermittler später, beginnt er, sich Materialien für den Bombenbau zu bestellen. Zunächst ein Kilo Kaliumnitrat und ein Kilo Schwefel, beides wird in die Wohnung seiner Eltern geliefert.

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Dann hunderte Metallschrauben, mehrere Rollen Klingeldraht (also Stromleitungen) und 500 Gramm Kohlepulver. Einiges davon bestellt er zur Adresse eines Freundes, dort lebt er nun. Auch einen massiven Kochtopf finden die Ermittler dort später. Zum Vergleich: Die Boston-Attentäter hatten 2013 Schnellkochtöpfe als Bomben verwendet und ferngezündet, die mit Schwarzpulver, Nägeln und Kugeln gefüllt waren.

Auch der Kontakt zum vermeintlichen „Waffenhändler“, in Wahrheit ein verdeckter Ermittler, soll sich weiter intensiviert haben. Die zwei Glock-Pistolen seien “Dieter Hahn” zu teuer gewesen, so berichtete es ein Beamter der Bundeskriminalamts, der am ersten Prozesstag als Zeuge aussagte. Der Käufer schwenkte um, man einigte sich auf eine Pistole des Typs Makarow mit 50 Schuss für 900 Euro, dazu eine Handgranate, Kostenpunkt 110 Euro.

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Quelle: pa/dpa/Georg Wendt

Zehn Prozent des Preises zahlte der Käufer in Bitcoin an. Die Übergabe der Waffen sollte auf einem Mc-Donalds-Parkplatz an der Kieler Straße stattfinden. Nachdem der verdeckte Ermittler den Kofferraum öffnete und die Ware präsentierte, schnappte die Falle zu. Abdurrahman C. wurde verhaftet. Er sitzt seit August 2021 in Haft, zuletzt in der JVA Hahnöfersand.

Der Angeklagte wollte sich zunächst nicht zu den Vorwürfen äußern. Sein Verteidiger stellte einen Antrag auf Ausschluss der Öffentlichkeit. Dies lehnte das Gericht ab. Angesichts der Schwere der Vorwürfe habe das Informationsinteresse der Öffentlichkeit Vorrang, erklärte die Vorsitzende des Staatsschutzsenats, Petra Wende-Spors.

Der Prozess ist bis Ende August angesetzt.

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