Start-up aus Paderborn versorgt Mittelständler mit Robotern

Beim virtuellen Rundgang durch seinen Online-Shop zeigt Mladen Milicevic, wie schnell sich Roboter-Komponenten zusammenstellen lassen. Hier ein Fingergreifer ab 3536 Euro, dort ein Roboter-Arm ab 14.850 Euro, weiter unten ganze Industrie-Roboter ab 18.790 Euro. “Rund 80 Prozent aller Fabriken haben noch nie einen Roboter gesehen”, sagt der Mitgründer von Unchained Robotics. Viele Unternehmer hätten keine Vorstellung, welche Art Roboter für ihre Firma sinnvoll sei – und wie ein solcher Automat in die Fertigungsprozesse integriert werden könnte.

Innerhalb der Europäischen Union ist Deutschland mit rund 230.600 Industrie-Robotern bereits die am stärksten automatisierte Volkswirtschaft, wie die International Federation of Robotics (IFR) für 2020 berichtet. Doch von den zuletzt weltweit 383.000 verkauften Robotern sind mehr als 361.000 große, schwere Industriemaschinen in Fabriken, nur 22.000 waren bislang die sogenannten kollaborativen Roboter. Diese Kleinroboter, auch „Cobots“ genannt, sollen Menschen von unangenehmen, langweiligen oder gefährlichen Tätigkeiten entlasten. „Man spricht hier von den drei D: dirty, dull, dangerous“, erläutert Milicevic.

Diese Einheiten können in der Regel zwischen zehn und 25 Kilogramm heben, etwa in der Montage oder beim Verpacken in Warenlagrn. Bei Mittelständlern und kleineren Firmen gelte Roboter-Technik leider vielerorts immer noch als elitäre Technologie für Großunternehmen. Daran wollten Milicevic und sein Partner Kevin Freise etwas ändern, als sie vor drei Jahren in Paderborn ihr Start-up gründeten. Über Unchained Robotics vermitteln sie diese Technologie, und zwar unabhängig von den rund 50 Roboter-Herstellern, betont Milicevic.

Die Idee reifte in China

Um das Potenzial zu verdeutlichen, zeigt Milicevic einen Film aus einer deutschen Spielzeug-Fabrik. Dort müssen Arbeiter stundenlang zwei Komponenten aus großen Kisten auf ein Fließband legen, von wo sie dann weitergeschickt werden. “Diese Mitarbeiter können in Zeiten des Fachkräftemangels auch für interessantere und anspruchsvollere Arbeiten eingesetzt werden”, sagt der 29-Jährige.

Auf die Gründeridee kam Milicevic in Asien. Nachdem er bereits als Student Prozesse in Fabriken als Berater optimiert hatte, ging er 2018 für eine Unternehmensberatung aus Ostwestfalen für ein Projekt nach China. Dabei ging es um „intralogistische Prozesse“, also den Warenfluss und -verkehr innerhalb einer Fabrik, der mittlerweile auch schon vielerorts automatisiert stattfindet. Etwa uber autonome Fahrzeuge, die bestimmte Waren von A nach B bringen. „Mir ist dort sofort aufgefallen, dass die Automatisierung von Prozessen dort grundsätzlich anders und vor allem pragmatischer angegangen wird“, berichtet der Wirtschaftsingenieur, der an der Uni Paderborn einaborsch hats und Bachelors- und.

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Deutsche Maschinenbau-Ikone

“Wenn wir die Automobilindustrie nicht mitrechnen, haben in Deutschland sogar 93 Prozent aller Fabriken noch keine Roboter im Einsatz”, sagt Milicevic und verweist auf die entsprechenden Zahlen des Deutschen Robotikverbands. Das rühre auch daher, dass viele Anbieter das Thema Robotik immer noch wie eine „Raketenwissenschaft“ verkaufen würden, in die Außenstehende keinen Einblick haben könnten. So habe man den Markt lange intransparent gehalten.

„Wir waren Ende 2020 die Ersten weltweit, die auf unserer Seite auch exakte Preise und technische Details genannt haben.” Das habe manchem etablierten Player nicht gefallen. Andererseits hätten sich Firmen gemeldet und gewundert, zu welch niedrigen Preisen Robotertechnik zu haben sei. “Manche dachten, dass da unter 200,000 Euro nichts möglich wäre.” Gerade in Betrieben, die in mehreren Schichten arbeiten, könne sich Robotertechnik schon in eineinhalb Jahren amortisieren. Und durch unterschiedliche Greifer und Komponenten kann die Technik jederzeit umgebaut werden – sobald sich Anforderungen und Wünsche der Anwender ändern.

Viele Kunden in der Region

Ganz allein sind die Paderborner natürlich nicht auf dem deutschen Markt unterwegs. Mitbewerber aus Deutschland sind etwa Waku Robotics aus Dresden, die sich auf Transport-Roboter konzentrieren und Go2-Automation, eine Plattform von Maschinenbauern aus Süddeutschland. In Kanada ist zudem das Start-up Vention aktiv, dass nun auch in Berlin eine europäische Niederlassung gegründet hat.

Milicevics Kunden sind einerseits Firmen, die die Roboter nach Anweisung selber aufbauen und einrichten. „Die zweite Kundengruppe möchte eine All-inclusive-Lösung“, sagt der Geschäftsführer. Also inklusive Aufbau, Einrichtung und Schulung. Hier arbeiten die Paderborner mit Dienstleistern zusammen, selber bauen sie keine Anlagen auf.

Vor drei Jahren gründeten Mladen Milicevic (im Bild) und Partner Kevin Freise ihr Start-up Unchained Robotics

Vor drei Jahren gründeten Mladen Milicevic und Partner Kevin Freise (nicht im Bild) ihr Start-up Unchained Robotics

Quelle: Ralf Meier

Mittlerweile hat die Firma mehr als 50 Kunden, die Hersteller sitzen zumeist in Japan, Korea, Frankreich und Dänemark. “Jeder Roboter, den wir vermitteln, wird für die Bedürfnisse des Kunden exakt konfiguliert”, erläutert Milicevic. Ein Kunde ist der Möbelhersteller Formaplan aus Westfalen. „Wir haben zwölf Roboter durch Unchained Robotics bei uns im Einsatz, die dabei helfen, die richtigen Werkstücke ins Paket zu legen“, berichtet Firmenchef Jörg Großestrangmann. „Das macht es für unsere Mitarbeiter einfacher – und erhöht die Reproduzierbarkeit.”

Zuletzt haben sich auch Investoren an Unchained Robotics beteiligt, darunter der Technologiefonds Ostwestfalen-Lippe. Rund 2,2 Millionen Euro haben die Gründer bei Anlegern eingesammelt. „Das Geschäft entwickelt sich sehr dynamisch“, sagt Milicevic. Inzwischen gebe es in Paderborn 15 Mitarbeiter. Und weitere würden gesucht, etwa Softwareentwickler und Vertriebsingenieure.

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