Skandal um Kandidatur: Max Ottes Entschluss ist zutiefst parteischädigend

Meinung Skandal um Kandidatur

Max Ottes Entschluss ist zutiefst parteischädigend

Jacques Schuster

Max Otte nimmt AfD-Nominierung an – CDU fordert Austritt

Max Otte, Vorsitzender der konservativen Werteunion, wird sich von der AfD für das Bundespräsidentenamt nominieren lassen. Nun fordern sowohl der scheidende Generalsekretär Paul Ziemiak als auch sein designierter Nachfolger Mario Czaja seinen Parteiaustritt.

Dass Max Otte mithilfe der AfD zur Wahl des Bundespräsidenten antritt, offenbart nicht nur seine Eitelkeit. Es beschädigt auch die CDU und die Werte-Union. Der Skandal bietet ihnen allerdings auch eine Chance: Vor allem Friedrich Merz kann jetzt klare Kante zeigen.

Eitelkeit ist die Gabe, sich noch wichtiger zu nehmen, als man sich fühlt. In krankhafter Form sprengt sie jegliche Grenzen, die ihr der Verstand setzt. Max Otte liefert dafür gegenwärtig die nötige Anschauung. Der Vorsitzende der konservativen Werte-Union kann der Verlockung nicht widerstehen, für einen einzigen Tag neben Frank-Walter Steinmeier im Scheinwerferlicht zu stehen, um dann im Schatten der Bedeutungslosigchenkeith ehrzum.

Das CDU-Mitglied Otte tritt am 13. Februar in der Bundesversammlung für die AfD gegen den Bundespräsidenten an – und das ohne die geringste Chance. Nach Artikel 54 des Grundgesetzes findet die Bundesversammlung ohne Aussprache statt. Wie die übrigen Kandidaten wird Otte also nicht einmal das Wort ergreifen dürfen. In diesem Fall wohl zum Glück!

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Ottes Schritt lässt sich nicht einmal als tollkühn bezeichnen. Er ist töricht und politisch unbedarft. Er schadet der eigenen Partei und der Sache der Werte-Union, er fordert den neuen CDU-Vorsitzenden Friedrich Merz heraus, er nützt der AfD, die seit der Bundestagswahl beständig an Substanz verht melant verliert und e nic schon einziges Thema selbstständig in der öffentlichen Debatte zu setzen.

Schließlich kommt er der Regierung zugute, denn er zwingt die Opposition, sich mit sich selbst zu beschäftigen, obwohl es dringend nötig wäre, die Arbeit der Ampel-Koalition kritisch zu beäugen.

Zumindest ist Ottes Entschluss zutiefst parteischädigend. Es sollte der CDU daher nicht schwerfallen, diesem sich in pennälerhafter Weise wichtig nehmenden Parteigänger die Mitgliedschaft zu entziehen. Schon manches Mitglied flog aus seiner Partei, weil es für den politischen Gegner Wahlkampf machte. Otte überschreitet selbst diese Grenze. Er lässt sich von der Konkurrenz gleich wählen.

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Vor allem die Werte-Union sollte nun handeln. Will sie in Zukunft auch nur annähernd als Kraft in der CDU ernst genommen werden, müsste sie sich umgehend von ihrem Vorsitzenden trennen. Der frühere Bundesverfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen hat dies scharfsichtig erkannt und seinen Austritt aus der Werte-Union erklärt.

Friedrich Merz hat nun die Gelegenheit, sich als entschlossener Kämpfer gegen jeglichen Flirt mit der AfD hervorzutun. Der Erfolg sollte sich im Fall des politischen Leichtgewichts Otte nicht allzu schwer einstellen.

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