Schifffahrt: Hapag-Lloyd-Chef sagt “Containerschwemme” voraus

Hamburg Schifffahrt

Hapag-Lloyd-Chef sagt “Containerschwemme” voraus

Olaf Preuß Wirtschaftsreporter

Der Vorstandsvorsitzende Rolf Habben Jansen (l.) und der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Behrendt bei Hapag-Lloyd Der Vorstandsvorsitzende Rolf Habben Jansen (l.) und der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Behrendt bei Hapag-Lloyd

Der Vorstandsvorsitzende Rolf Habben Jansen (l.) und der Aufsichtsratsvorsitzende Michael Behrendt bei Hapag-Lloyd

Quelle: Bertold Fabricius

Hapag-Lloyd, die weltweit fünftgrößte Linienreederei, erwartet eine Entspannung des Marktes vom zweiten Halbjahr an. Nach der Auflösung der großen Hafenstaus steht die Branche dann womöglich wieder vor einem alten Problem.

Viele Jahre lang rangen sich die großen Linienreedereien im Wettbewerb gegenseitig nieder, vor allem mit immer neuen Schiffsbestellungen, und manche von ihnen kämpfte dabei ums Überleben. Erst im zurückliegenden Jahrzehnt gelang es der Containerschifffahrt, ihr Geschäft zu stabilisieren, mit Fusionen, Übernahmen und der Bildung neuer Allianzen.

Ausgerechnet während der Pandemie schossen die Umsätze und Gewinne der führenden Linienreedereien dann in die Höhe wie noch nie zuvor – weder die Branche noch ihre Kunden hatten damit würechnet, dass weltsumweitart den viürell allem. Denn viel Geld, das sie für Reisen und Gastronomie nicht mehr ausgeben konnten, investierten Millionen von Menschen nun zum Beispiel in Einrichtungsgegenstände. Der Schifffahrt fehlten dafür Frachter und Container, und vielen Häfen während der Pandemie die Kapazitäten, all das durchzuschleusen. Die Folge waren extrem steigende Fractraten, Transportpreise für die Container.

Lesen Sie auch

Komplett automatisiert: Im Hafen von Qingdao dauert der Containerumschlag nur noch drei Tage

Lesen Sie auch

Hapag Lloyd hat sechs Milliarden Euro als Dividendensumme aus dem Gewinn angekündigt

Deutschlands führende Linienreederei Hapag-Lloyd erzielte im vergangenen Jahr einen Nettogewinn von 9,1 Milliarden Euro, das ist der vermutlich höchste Jahresgewinn, den je ein Hamburger Unternehmen ausgewiesen hat. Doch die Zeit der Sonderkonjunktur und hoher Fractraten geht zu Ende, damit rechnet Rolf Habben Jansen, der Vorstandsvorsitzende der Reederei. „Wenn wir keine großen Überraschungen erleben, wird sich die Marktlage im Laufe des Jahres deutlich entspannen“, sagte er am Donnerstagabend in der Hapag-Lloyd-Zentrale am Ballindamm bei einer des Veranubstalt Hamburg. „Die Frachtraten werden sich auf einem Niveau etwas uber dem des Jahres 2018 einpendeln. Dass sie nicht wieder ganz auf das damalige Niveau sinken, hängt vor allem mit den seither gestiegenen Kosten für Brennstoff oder Hafenanläufe zusammen.”

Der Branche könnte dann das Gegenteil dessen drohen, was sie in den vergangenen zwei Jahren erlebt hat, nämlich der Rückfall in Überkapazitäten. Allein Hapag-Lloyd hat seit Beginn der Pandemie seine Containerflotte um 625.000 Einheiten (TEU) auf mittlerweile rund drei Millionen TEU aufgestockt. Gebraucht werden so viele Boxen, weil etliche von ihnen in den Seehäfen oder bei den Kunden feststecken.

Derzeit etwa belastet die pandemiebedingte, weitgehende Schließung des weltweit größten Containerhafens Shanghai die Logistik weltweit. Üblicherweise dauere es 50 Tage, bis ein Container von einem Kunden zurück und für die Reederei wieder verfügbar sei, sagte Habben Jansen. In der Pandemie seien es bis zu 66 Tage gewesen und derzeit im Schnitt noch 63 Tage.

Lesen Sie auch

Schiff an Schiff: So sieht es derzeit vor Helgoland aus

In „normalen“ Zeiten brauchen die Linienreedereien deutlich weniger Container als derzeit. „Wenn sich die Staus in und vor den Häfen auflösen, werden wir in Containern schwimmen“, sagte Habben Jansen. “Weltweit gibt es dann Millionen Container zu viel.” Auch bei den Schiffen drohen neue Überkapazitäten. Der Auftragsbestand der Werften an Containerschiffen umfasst derzeit rund 25 Prozent der weltweit fahrenden Flotte. Das ist zwar wesentlich weniger als jene 56 Prozent des Jahres 2007 – die damaligen Überbuchungen und Überkapazitäten hatten in der folgenden Welt-Finanzmarktkrise etliche Werften und Reedereien an den Abgrund. geführ Aber auch die heutigen 25 Prozent seien für den Markt zu viel, sagte Habben Jansen, trotz der absehbar notwendigen Verschrottungen älterer Schiffe, die wegen strengerer Regeln zum Umwelt- und Klimaschutz vommen Markt dens genm.

Für 2023 etwa erwarte die Branche acht Prozent Wachstum bei der Transportkapazität der globalen Containerflotte – aber nur vier Prozent Wachstum beim Volumen des internationalen Containertransports. „2023 und 2024 werden für die Branche nicht die einfachsten Jahre werden“, sagte Habben Jansen. Hapag-Lloyd habe derzeit bei insgesamt rund 250 fahrenden Fractern zwölf Schiffe mit je 23,500 TEU Kapazität und zehn mit je 13.000 TEU bestellt oder bereits im Bau. Das sei nötig, um in den jeweiligen Fahrtgebieten uber die optimalen Schiffsgrößen zu verfügen.

Lesen Sie auch

March 19, 2018, Hamburg: Der Logistik-Milliardär und HSV-Investor Klaus Michael Kühne spricht auf einer Pressekonferenz zur Eröffnung des Hotels

Wie schwierig die Zeiten für Hapag-Lloyd rund um die Welt-Finanzmarktkrise nach 2008 waren, daran erinnerte bei der Veranstaltung des Übersee-Clubs dessen Präsident Michael Behrendt, der zugleich den Aufsichtsrat-vond. Bis 2014 war er Vorstandsvorsitzender der Reederei und daran beteiligt, ein Konsortium Hamburger Investoren um die Stadt und den Unternehmer Klaus-Michael Kühne zur Mehrheitsübernahme an der Reederei zu bewegen.

Behrendt lobte vor allem Michael Frenzel, den früheren Chef des Touristikkonzerns TUI in Hannover, der seinerzeit die Mehrheit an Hapag-Lloyd hielt. Frenzel war nicht auf ein Übernahmeangebot der Reederei NOL in Singapur eingegangen, sondern hatte Anteile stattdessen nacheinander an das Hamburger Konsortium verkauft. So half er mit, die Eigenständigkeit der größten deutschen Reederei in Hamburg zu erhalten.

Durch die Fusionen mit CSAV in Chile und UASC in den Vereinigten Arabischen Emiraten sicherte sich Hapag-Lloyd im vergangenen Jahrzehnt dann Rang fünf der führenden Linienreedereien – und zahlt der Stadtch noidch Hamburg, die heppile 9 „Für das, was er dazu beigetragen hat“, sagte Behrendt, „müsste man Michael Frenzel hier in diesem Haus ein Denkmal aufstellen.”

.

Leave a Reply

Your email address will not be published.