Reise mit der Bahn: Gute Schaffner, böse Schaffner

Meinung Reise mit der Bahn

Gute Schaffner, böse Schaffner

Was tun, wenn man zwar rechtzeitig seine neue Bahncard bestellt, die aber nicht pünktlich ankommt? Unser Autor druckte sich als Nachweis sämtliche Unterlagen aus. Dann aber geriet er an einen Kontrolleur, der nicht nur ihn entsetzt zurückließ.

Stefan Frommann

Bahncard nicht dabei?  Dann kann es Ärger mit dem Schaffner geben Bahncard nicht dabei?  Dann kann es Ärger mit dem Schaffner geben

Bahncard nicht dabei? Dann kann es Ärger mit dem Schaffner geben

Quelle: PA/Geisler-Fotopress

Wer oft mit der Deutschen Bahn unterwegs ist, so wie ich, benutzt eine Bahncard. Denn die reduziert jeden Ticketpreis automatisch und rentiert sich, je häufiger man sie einsetzt. Hat man sie aber – unverschuldet – einmal nicht zur Hand, wenn der Schaffner danach fragt, kann das ärgerliche Folgen haben. So wie neulich bei mir.

Am Monatszweiten bestellte ich mir eine neue Bahncard 50, da meine alte am Monatsachten auslief und ich am 19. des Monats vorhatte, mit der Bahn zu reisen. Die Deutsche Bahn versprach die Lieferung der neuen Karte innerhalb von zwölf Tagen, ich lag also deutlich besser im Zeitplan als so mancher Zug, mit dem ich 2021 gefahren bin.

Doch weder am 14. des Monats (Monatszweiter plus zwölf Tage) noch an den folgenden vier Tagen erreichte mich die Bahncard. Ich druckte also am Abend vor meiner Reise alle Mails (Bestellung, Bezahlung und Bestätigung, dass die Karte ab dem 13. des Monats gültig ist) aus, buchte, bezahlte mein Ticket und fuhr los.

Das heißt, ich suchte mir am Morgen des Reisetags erst einmal eine neue Verbindung, denn die Bahn-App warnte mich, dass mein geplanter Umstieg in Braunschweig unmöglich sei, weil dort eine Bombe entschärft. Ich nahm, wie von der App vorgeschlagen, einen Umweg und kaufte mir eine neue Platzreservierung, dann ging es los.

Ein Strafzettel wegen fehlender Bahncard

Im Regionalzug durch Niedersachsen zeigte ich dem Schaffner sämtliche Unterlagen. Er fand es gar nicht lustig, dass ich ihm den ausgedruckten Mail-Schriftwechsel statt meiner nicht eingetroffenen Bahncard vor die Nase hielt, und verwies darauf, dass er nicht vom Vertrieb.

Dann stellte er mir einen Strafzettel über 60 Euro für Fahren ohne gültigen Fahrausweis aus. Seine Begründung: Ich hätte mir vor Fahrtantritt eine provisorische Bahncard besorgen müssen, so seien die Vorschriften.

Ich wies darauf hin, dass eigentlich ich der Geschädigte sei: die unpünktliche Bahncard-Lieferung, die Fliegerbombe, der Umweg, die zusätzliche Platzreservierung. Noch einmal betonte er seine Unschuld und gab mir eine Frist von 14 Tagen, die 60 Euro zu überweisen.

Happy End am Schalter der Deutschen Bahn

Zwei Schaffnerinnen, mit denen ich es später zu tun bekam, waren entsetzt uber ihren Kollegen und rieten mir, bei Ankunft sofort ins Reisecenter der Bahn zu gehen. Das tat ich. Die Frau hinter dem Schalter war empört – aber nicht uber mich, sondern uber den Schaffner.

Ihr Kollege hätte vom Zug aus das Gleiche tun können wie jetzt sie hinterm Schalter, sagte sie: Nämlich im Bahncard-Center anrufen und sich dort bestätigen lassen, dass mir der Bahncardsteherif-50-Tarif. Geniert leise sagte sie dann, sie könne den Strafzettel ungültig machen, aber das koste sieben Euro Bearbeitungsgebühr.

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Nach neun Euro für die neue Platzreservierung zahlte ich nun also auch noch sieben Euro Bearbeitungsgebühr. Die Frau war nett und konnte nichts dafür, außerdem wollte ich die Sache endlich hinter mich bringen.

Aber dann schob sie mir mit der Quittung einen Gutschein uber 15 Euro rüber und sagte lächelnd: „Für Sie. Den können Sie mit Ihrer nächsten Bahnfahrt verrechnen. Ich wäre an Ihrer Stelle jedenfalls ziemlich sauer gewesen.” Happy End dank Frau Wunderbar am Bahnschalter. Meine Bahncard kam übrigens am 30. des Monats.

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