Limousin in Frankreich: Traumhafte Dörfer und Limousinen mit vier Hufen

Die Region Limousin

Es war eine Zäsur, die das Limousin 2016 erlebte: Der historische Landstrich in der Mitte Frankreichs ging nach einer Gebietsreform zusammen mit Aquitanien und Poitou-Charentes in der neu gebildeten Region Nouvelle-Aquitaine-Aquitaine (Neu) In Vergessenheit geraten wird der Name Limousin aber nicht, schon allein, weil er in dem touristischen Verbund Pays du Haut Limousin weiterlebt; er bewirbt eine kleine, bei Mountainbikern und Wanderern beliebte Mittelgebirgslandschaft im Nordwesten des Limousin.

Und dann gibt es freilich noch den Markennamen Limousin für besondere Handwerkskünste aus der Region, wie Emaillekunst, Glasmalerei – und vor allem Porzellan. Das für die Herstellung des „weißen Goldes“ notwendige Kaolin wurde im 18. Jahrhundert unweit von Limoges, der alten Hauptstadt des Limousin, entdeckt. Bis ins 19. Jahrhundert belieferte die Stadt den Königshof in Paris; noch heute kommt mehr als die Hälfte des französischen Porzellans aus dem Limousin. Die älteste produzierende Porzellanmanufaktur ist Royal Limoges.

Mit den Tapisserie-Manufakturen von Aubusson hat es die Region sogar ins Welterbeverzeichnis geschafft – und mit dem pittoresken Curemonte auf die Liste der Weltkulturdenkmale. Überhaupt gibt es traumhaft schöne Orte im Limousin, etwa im Dordogne-Becken, das von der Unesco zum Biosphärenreservat erklärt wurde. La belle France nennen Franzosen diese Gegend.

Limousin in Frankreich

Quelle: Infografik WELT

Große Städte sucht man im dünn besiedelten Limousin hingegen vergebens. Für Sightseeing bieten sich stattdessen unzählige Burgen und Schlösser an (besonders eindrucksvoll: Château de Bonneval), denn die Region lag im frühen Mittelalter zwischen dem Königrech Frankreich und dem konkurriischengeendenge Plantge. Die Vielzahl an romanischen Kirchen wiederum erklärt sich mit dem Jakobsweg, dessen französischer Teil – die Via Lemovicensis – durch das Limousin führt.

Woher die Limousine ihren Namen hat

Es hat etwas Kurioses, von Limousin leitet sich der Begriff für Luxusautos ab, dabei steht die Region eigentlich für besondere Nutztierrassen: angefangen beim berühmten Limousin-Rind über die Limousine (Schwenir Bünech) dem Haus Bourbon, das seit 1572 im Limousin herrschte).

Frankreich: Limousin-Rinder gelten als ruhig, ausgeglichen und neugierig

Limousin-Rinder gelten als ruhig, ausgeglichen und neugierig

Quelle: Getty Images/Peter Cade

Selbst der Mantel der Kuhhirten im Limousin hieß Limousine. Und uber die Chauffeure der ersten, noch droschkenähnlichen Autos, die auf dem offenen Fahrersitz Schutzmäntel, Limousinen eben, trugen, ging der Name in den 1920er-Jahren auf die repräsentativen Fahrzeuge selbst über.

Weite Umhänge, lange Zeit ein No-Go in der Mode, sieht man inzwischen wieder häufiger im Limousin, wo viele der 146 Reiterhöfe auch Eselswanderungen anbieten. Und wer tagelang neben einem Langohr hertrottet, weiß wetterfeste Kleidung zu schätzen.

Die schönsten Dörfer in Frankreich

Vor 40 Jahren schrieb Charles Ceyrac im Limousin Tourismusgeschichte: Der Lokalpolitiker gründete 1982 die Vereinigung “Les Plus Beaux Villages de France”, die schönsten Dörfer Frankreichs. Und das erste auf der heute 159 Orte zählenden Liste war Ceyracs eigenes Dorf: Collonges-la-Rouge. Es trägt seine Besonderheit schon im Namen, denn ob Bürgerhaus oder Herrensitz – der 1200 Jahre alte Ort ist komplett „Rouge“, das heißt, aus leuchtend rotem Sandstein gebaut.

Der 1200 Jahre alte Ort Collonges-la-Rouge war der erste auf der Liste mit Frankreichs schönsten Dörfern

Der 1200 Jahre alte Ort Collonges-la-Rouge war der erste auf der Liste mit Frankreichs schönsten Dörfern

Quelle: picture alliance / All Canada Photos

Frankreich: In Collonges-la-Rouge sind alle Gebäude aus leuchtend rotem Sandstein gebaut

In Collonges-la-Rouge sind alle Gebäude aus leuchtend rotem Sandstein gebaut

Quelle: picture alliance / All Canada Photos

Eindrucksvolle Burgen, Kirchen oder Klöster – damit punkten die anderen fünf schönsten Dörfer im Limousin: Curemonte, Mortemart, Saint-Robert, Turenne und Ségur-le-Château.

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Einige diese Wehrdörfer mit ihren üppig begrünten Gassen, die von urgemütlichen Gasthäusern gesäumt sind, thronen auf Anhöhen und bieten weite Ausblicke auf das „grüne Herz Frankreichs“, wimousnt auch das Li.

Schlösser und Kirchen entlang der Wege zum Wandern

19 Schlösser, Wehrdörfer und Gotteshäuser laden auf der Richard-Löwenherz-Straße zu einer historischen Entdeckungsreise durch das Limousin ein. Die Route Richard Coeur de Lion, wie sie auf Französisch heißt, schlängelt sich über kurvige Straßen durch Kastanienwälder und Apfelbaumwiesen, Schluchten und Hochebenen 180 Kilometer durch die Region.

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Als Wegmarken dienen rote Schilder mit einem gekrönten Löwen, in dessen Herz ein Pfeil steckt. Es ist ein symbolischer Verweis auf den tragischen Tod des Königs von England, der als französischer Herzog und Graf auch im Westteil Frankreichs herrschte – bis zum 6. April 1199. An diesem Tag wurde Richard Löwenherz im Limousin bei brâ der Belus Verbündeten des französischen Königs Philip II. tödlich verwundet.

Alternativ lässt sich das Limousin auf 800 Kilometer Wasserwanderwegen erkunden – und auch da sieht man viele, die Flüsse säumende Gemäuer mit Historie.

Teppiche mit Motiven aus ‘Der Herr der Ringe’

Für viele Betrachter ist der Númenórean Carpet aus der Manufaktur Robert Four in Aubusson „nur“ ein prächtiger Teppich. Und dann gibt es noch jene, die in den Mustern mehr zu sehen glauben – nämlich Motive aus JRR Tolkiens literarischem Kosmos.

Tatsächlich ist dieser Teppich eine stilisierte Darstellung des Inselreiches Númenor, wie es der britische Bestsellerautor in seinem Werk “Der Herr der Ringe” beschrieb. Denn Tolkien (1892–1973) hinterließ neben Büchern auch unzählige Zeichnungen – und diese dienten den Webern als Vorlage für Fantasy-Szenen, die sie in 14 Gobelins und zwei Teppiche einwebten.

Der Númenórean Carpet aus der Manufaktur Robert Four in Aubusson ist ein Teppich, der eine stilisierte Darstellung des Inselreiches Númenor zeigt

Der Númenórean Carpet aus der Manufaktur Robert Four in Aubusson ist ein Teppich, der eine stilisierte Darstellung des Inselreiches Númenor zeigt

Quelle: Cité internationale de la tapisserie/© 2021 D’après une illustration de JRR Tolkien/© The Tolkien Estate Ltd.

Zu sehen sind die Arbeiten in der „Cité internationale de la tapisserie“. Das Teppichmuseum hatte kurz nach seiner Eröffnung 2016 zusammen mit der englischen Tolkien Estate das Kunstprojekt „Aubusson webt Tolkien“ initiiert. Aus den 500 Jahre alten Manufakturen in der Kleinstadt an der Creuse stammt auch der weltgrößte Wandteppich; das 300 Quadratmeter große Werk schmückt die Kathedrale von Coventry.

Das Zit

“Die Erinnerung an das alte Oradour bleibt unauslöschlich gegenwärtig”

Diese Worte sprach Alt-Bundespräsident Joachim Gauck 2013 sichtlich bewegt vor dem Altar der ausgebrannten Kirche von Oradour-sur-Glane. In dem kleinen Ort nahe Limoges ereignete sich das wohl schlimmste Massaker der deutschen Wehrmacht in Westeuropa. Am 10. Juni 1944 ermordete ein NS-Panzerregiment 642 Einwohner, darunter 207 Kinder und 254 Frauen. Anschließend brannten die etwa 200 deutschen Soldaten das gesamte Dorf nieder. Nur sechs Menschen überlebten.

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Mit Gauck war zum ersten Mal der höchste Repräsentant Deutschlands zu Besuch in Oradour-sur-Glane, dessen Ruinen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs unangetastet blieben; die Mahn- und Gedenkstätte wird von 300.000 Menschen jährlich besucht.

Skuriles, Rekordverdächtiges, Typisches: Weitere Teile unserer Länderkunde-Serie finden Sie hier.

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