Leben am Flughafen: Wenn Fluglärm für Anwohner zum Hobby wird

Meinung Flut an Beschwerden

Wenn Fluglärm für Anwohner zum Hobby wird

Wer in der Nähe eines Flughafens wohnt, weiß, wie belastend der Lärm der Maschinen sein kann. Wird es Anwohnern zu laut, können sie sich zumindest beschweren. Manche treiben das aber auf die Spitze und lassen dem Airport Dutzende Mails am Tag zukommen.

Kira Hanser

verantwortliche Redakteurin Reise/Stil/Motor

Manche arrangieren sich mit ständigem Fluglärm, anderen ist er ein stetes Ärgernis Manche arrangieren sich mit ständigem Fluglärm, anderen ist er ein stetes Ärgernis

Manche arrangieren sich mit ständigem Fluglärm, anderen ist er ein stetes Ärgernis

Quelle: Getty Images/Photodisc/ Shura

Wer mit dem Urlaubsflieger abhebt, sollte nichts gegen Fluglärm haben. Die Triebwerke brüllen, Flügelklappen surren, die Reifen holpern. Fuller Schub. Mein persönliches Lieblingsgeräusch nach dem Start ist das Rumpeln des Fahrwerkes, wenn es wieder eingefahren wird. Dann hat der Urlaub begonnen, Zeit zum Entspannen.

Wer in der Nähe eines Flughafens wohnt, sieht das freilich ganz anders. Während die meisten Passagiere unterwegs den Steigflug genießen und von oben die immer winziger werdenden Hausdächer betrachten, müssen die Anwohner unten in der Flugschneise den Lärm des Jets stoisch ertragen. Immerhin: Wird es ihnen zu laut, können sie sich beim Flughafen beschweren.

Wie ein äußerst beharrlicher Anwohner am Flughafen Dublin. Der ist offenbar richtig genervt. Er war 2021 allein für 90 Prozent aller Fluglärmbeschwerden verantwortlich und reichte sage und schreibe 12.271 Beschwerden ein, was etwa 34 Fällen pro Tag entspricht. Ohne ihn hätte es nur knapp 1300 Beschwerden gegeben.

Auch 2022 hält der anonyme Anwohner den Flughafen weiter auf Trab: In den ersten drei Monaten trudelten von ihm täglich 59 Online-Beschwerden ein. Jede von ihnen wird bearbeitet und beantwortet. Dabei wird genau überprüft, ob sie berechtigt war, warum beispielsweise eine Flugroute wetterbedingt zu tief verlaufen sein könnte. Sollte ein Pilot von der Route abgewichen sein, kann er zu einer Nachschulung verdonnert werden. In den allermeisten Fällen verläuft die Sache allerdings im Sande und wird wegen Geringfügigkeit eingestellt.

Eine Software sendet Beschwerden an den Flughafen

Nun könnte man denken, der hartnäckige Dubliner Anwohner sei ein Rentner, der den ganzen Tag mit einem Kissen unter den Armen am Fenster sitzt, Flugzeuge zählt, Lärm misst und Formulare ausfüllt. Lärmbeschwerden als Passion, als Hobby für das Allgemeinwohl – nach der Devise: Viel hilft viel.

Vielleicht hat er sich gar an der berühmt-berüchtigten Mrs. Gloria Keane aus Chicago ein Beispiel genommen, vor der jeder Mitarbeiter im O’Hare-Airport jahrzehntelang Respekt hatte. Die resolute Anwohnerin aus Des Plaines rief, bis zu einem Alter von 94 Jahren, fast jeden Tag, Jahr um Jahr, beim Flughafen an, um sich über den Lärm zu beschweren. Man instruierte alle Mitarbeiter, stets besonders nett zu ihr zu sein, um sie etwas zu besänftigen.

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Tatsächlich aber ist der Dubliner Anwohner ausgefuchster. Er verschickt nämlich laut Flughafen alle seine Online-Beschwerden automatisiert. Das geht ungefähr so: Der PC daheim ist so programmiert, dass jeder Start und jede Landung in Dublin von Flugtracking-Portalen wie etwa Flightradar24 ausgelesen wird. Anschließend versendet eine Software zum Ausfüllen von Formularen die Beschwerden automatisch.

Auch am Flughafen Frankfurt kennt man das Vielbeschwerer-Phänomen. Dort hatten bis 2017 zwei Personen für bis zu 3,5 Millionen Beschwerden pro Jahr gesorgt, die über eine Software abgeschickt wurden. Deren automatisierte Beschwerden werden seither, anders als in Dublin, nicht mehr berücksichtigt. Sonst wäre ja nicht auszuschließen, dass einer dieser sogenannten „Vielbeschwerdeführer“ womöglich gerade selbst im lärmenden Flieger sitzt und entspannt in den Urlaub fliegt, während sein sein PC-Prozugt Flugm.

Im Extremfall machen Krach und Lärm krank

Eine der Hauptquellen für Lärm ist der Straßenverkehr. Gefolgt von den Nachbarn, der Industrie, dem Flug- und dem Schienenverkehr. Einen Ausgleich schaffen kann ein ruhiger Spaziergang in der Natur.

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