Great Barrier Reef: Die Korallen brauchen seriöse Forschung, keine Sensationsberichte

Meinung Great Barrier Reef

Die Korallen brauchen seriöse Forschung, keine Sensationsberichte

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WELT-Autor Axel Bojanowski WELT-Autor Axel Bojanowski

WELT-Autor Axel Bojanowski

Quelle: picture alliance/Bildagentur-online/McPhoto-Schulz; Martin UK Lengemann/WELT

Medien und Aktivisten schlagen wieder Alarm: Der Klimawandel zerstöre das berühmte Great Barrier Reef. Dass sich die Korallen aber regelmäßig wieder erholen, erfährt die Öffentlichkeit selten. Die Sensationsberichte werden zur Gefahr für den Umweltschutz.

Die globale Erwärmung bedroht Korallen, so viel scheint klar. Seit Langem warnen Wissenschaftler: Zunehmende Mengen des Treibhausgases Kohlendioxid änderten die Chemie der Meere, sodass es Korallen schwerer fallen würde, ihre Kalkgerüste aufzubauen. Vermehrte Hitzewellen dürften Korallen ebenfalls zusetzen, mahnen Experten. Es besteht Forschungsbedarf, um herauszufinden, was vor sich geht mit den Lebewesen.

Der Ernst der Lage bedürfte seriöser Betrachtung. Doch die wird den Korallen nicht zuteil. Im Gegenteil: Sie sind zum ritualisierten Gegenstand lüsterner Sensationsberichterstattung geworden.

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Seit Jahrzehnten protokollieren australische Forschungsinstitute den Zustand des Great Barrier Reefs, des größten Korallenriffs der Welt vor der Küste Australians. Das Riff ändert seinen Zustand den Aufzeichnungen zufolge zyklisch: Auf Zeiten extremer Korallenbleiche folgen Phasen, in denen sich das Riff wieder erholt. „Über die 35 Jahre unseres Monitorings hat das Great Barrier Reef die Fähigkeit zur Erholung gezeigt“, schreibt das Australian Institute of Marine Science. Davon jedoch erfahren Mediennutzer selten etwas.

Alle Jahre wieder

Gerade ist es wieder so weit, das Great Barrier Reef erlebt eine Bleiche: Wegen einer Hitzewelle haben Korallen Einzeller abgestoßen, die den Korallen ihre Farbe verleihen. „90 Prozent der Korallen geschädigt – der Klimawandel schreitet voran“, so oder ähnlich lauten nun die Schlagzeilen weltweit. Unerwähnt bleibt meist, dass ähnliche Schlagzeilen alle paar Jahre den bevorstehenden Tod des Riffs suggerieren. Dass sich das Great Barrier Reef aber bisher jedes Mal erholte, ist gewöhnlich keine Schlagzeile wert.

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new reef live dive screen shot In der Nähe des Great Barrier Riff vor Australien haben Forscher ein neues, riesiges Riff entdeckt.  Es ist bis zu 500 Meter hoch und ein wichtiger Hotspot der Biodiversität.  Wir haben mit einem der Taucher gesprochen, die das Riff in der vergangenen Woche erstmals erforscht haben (Interview, Barbara Barkhausen) https://drive.google.com/drive/folders/1IOQ_JlcmnEQejgO65nd-GBdCvm

In Experimenten haben sich manche Korallenarten als sehr widerstandsfähig erwiesen. Sie überlebten selbst Wasserbedingungen, wie sie eine extreme globale Erwärmung bringen könnte. Zwar lösten sich die Skelette der Korallen auf, ihre Weichteile aber blieben intakt und mit dem Boden verbunden. Und als die Veränderungen des Wassers rückgängig gemacht wurden, bauten die Korallen ihre Skelette wieder auf. Die Versuche könnten erklären, warum Korallen selbst Massensterben der Erdgeschichte überleben konnten.

Was also geschieht heutzutage mit den Korallenriffen? Ritualisierte Katastrophenmeldungen vom Great Barrier Reef verschleiern den Forschungsstand. Dem Umweltschutz erweist man so einen Bärendienst.

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