Darstellerin Bettina Mönch im Rausch von Glamor und Tiefe

Velma ist eine Mörderin und ein Medienstar. Sie sitzt zwar im Knast, aber nicht mehr lange. So glaubt sie zumindest. Der Staranwalt Billy wird sie schon rausholen, und er will sie für viel Geld in Shows auftreten lassen. Ein toller Plan ist das, zumindest bis eine Konkurrentin auftaucht, deren Geschichte noch etwas attraktiver für die Medien ist. Plötzlich muss Velma kämpfen und eine eigene Strategie für ihren Prozess entwerfen. Das ist die Geschichte des Musicals „Chicago“. In Bonn sorgt es trotz der Pandemie seit Wochen für ein volles Opernhaus. Ein Hauptgrund ist Bettina Mönch in der Rolle der Velma.

Sie rast uber die Bühne, probiert unterschiedliche Szenen aus, uberlegt, was alles vor Gericht passieren könnte. Zum Beispiel könnte sie eine kleine Heulattacke inszenieren. Das ist urkomisch anzuschauen, doch zugleich ist die Verzweiflung der Velma deutlich zu spüren. Die Knast-Queen hat ihren Status eingebüßt und muss nun ums Überleben kämpfen. „Tatsächlich sind diese Szenen gar nicht so einfach zu spielen“, sagt Bettina Mönch. “Ich habe in den Proben gemerkt, dass es psychisch tatsächlich etwas mit mir macht, eine Frau zu spielen, die anfangs zwar die Königin ist, doch dann so langsam einen Abstieg hinlegen muss.”

“Chicago” ist ein Musical, das sich nicht von selbst inszeniert. Weil es nicht von einer starken Handlung lebt und immer Gefahr läuft, in einzelne Nummern zu zerfallen. Man braucht Darstellerinnen wie Bettina Mönch, die den zwei Stunden auf der Bühne einen roten Faden geben, die in der Lage sind, eine Rolle wie die Velma zu durchdringen, Brüche in einem Charakter zu erspüren. Und die sich so wie Mönch trauen, hinter dem Glamor der großen Shownummern verletzlich zu wirken.

Bettina Mönch spielt die Velma in „Chicago“

Mönch spielt die Velma in ‘Chicago’

Quelle: Thilo Beu

„Das ist sowieso das, was mich am meisten interessiert am Theater – und was mich überhaupt an diesem Beruf reizt“, erklärt die Darstellerin: „Es geht immer darum, eine Geschichte zu erzählen und wit indiechlich. ezu” Figuren

Bonn und Dortmund sind zwei der Theater, die Bettina Mönch häufig engagieren. Sie hat aber auch gerade die Sally Bowles in „Cabaret“ in Wien gespielt, das ist eine ihrer starksten Rollen. Als Andrew Lloyd Webbers „Evita“ – auch das eine Paraderolle – steht sie gerade in Saarbrücken auf der Bühne. Und in Dortmund wirkte sie in einer Revue aus den 20er-Jahren mit, „Berlin skandalös“. Ein Leben auf Reisen, in Garderoben und auf der Bühne. Zu Hause ist die 41-Jährige in Wien und in Essen, wo ihr Ehemann als Professor an der Folkwang-Uni ​​lehrt.

Schon die Eröffnungsnummer der Bonner Fassung von “Chicago” ist eine Sensation. Ein rauschartiger Tanz der Killerinnen, die sich extrem sexy präsentieren. Gehört es für eine Musicaldarstellerin selbstverständlich zum Job, so erotisch aufgeladen zu agieren? Oder regt sich in Bettina Mönch feministischer Protest? Sie schaut ein bisschen irritiert, bevor sie antwortet: „Ich finde das überhaupt nicht unfeministisch. Ich finde, sich sexy und gut in seinem Körper zu fühlen, das spricht ja überhaupt nicht dagegen. Im Gegenteil.” Es sind ausschließlich selbstbewusste Frauen, die hier eine dampfende, wilde Show abziehen. Natürlich perfekt choreografiert, jede Geste sitzt.

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Bettina Mönch wollte schon als Kind zum Theater, sie sang im Schulchor, sie steppte, machte Ballett und Jazzdance, danach folgte ihre Ausbildung in Wien. Aber reicht ihr auf Dauer das Musical, ein Genre, das oft eher der puren Unterhaltung als der Bühnenkunst zugerechnet wird? „Ich finde, das wird dem Genre überhaupt nicht gerecht, wenn man so darüber spricht.” Bettina Mönch hat eine tiefe, durchsetzungsfähige Sprechstimme. Sie macht Eindruck, auch außerhalb der Bühne. „Ich finde, es ist so ein vielfältiges Genre, in dem so verschiedene Stücke sich finden.” Sinfonische Werke wie „Les Miserables“ könne man ja kaum vergleichen mit einer Satire-Komödie wie” „Ch

“Chicago”, 1975 komponiert, ist ein Musical, dessen bissiger Humor auch heute noch trifft. Staranwalt Billy manipuliert in den 20er-Jahren Medien und Öffentlichkeit mit Fake News. Die Gegenspielerinnen Velma und Roxy, beide arbeiten als Vaudeville-Tänzerin, glauben bloß, die Strippen in der Hand zu halten. In Wahrheit sind sie nur Objekte in einer gewissenlosen Entertainmentmaschinerie. In ihrem Leben als Musicaldarstellerin hat Bettina Mönch solche Negativ-Erfahrungen bisher nicht gemacht. Zu Beginn der Karriere sei allerdings ihre Körpergröße ein Problem gewesen: 1,78 Meter, dazu lange Beine, die sie noch größer wirken lassen. Das Rollenprofil Disney-Prinzessin habe sie damit vergessen können. „Es gab eine Phase, da hatte ich das Gefühl, die Körpergröße bestimmt mich. Es war das Erste, was den Leuten auffiel, ich wurde dauernd darauf angesprochen: ,Mein Gott, sind Sie groß!’ Und dann kann man es irgendwann nicht mehr hören. Eine Weile dachte ich, das bestimmt mich so sehr, dass es mich limitiert.”

Diese Zeiten seien aber lange vorbei. Auch weil sich Bettina Mönch als singende Schauspielerin begreift, die spannende Rollen verkörpern möchte. Starke Frauen mit Brüchen, die Schicksalsschläge erleben und sich durchkämpfen müssen. Was keinesfalls die Komik ausschließt, im Gegenteil. Ums Überleben zu kämpfen, kann sehr witzig sein. Zumindest fürs Publikum.

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“Chicago” und “Cabaret” -diese Musicals werden Bettina Mönch weiter begleiten. Beide wurden von John Kander komponiert, der 94 Jahre alt ist – „und topfit“. Das weiß Bettina Mönch, weil sie ihn gerade in den USA besucht hat. Zusammen mit ihrem Ehemann, dem Regisseur Gil Mehmert, der auch “Chicago” in Bonn inszeniert hat.

Das klingt nach einem Leben, in dem es kaum etwas anderes als das Theater gibt. „Das stimmt“, sagt Bettina Mönch. „Man wird auch immer wieder gefragt: Trent ihr Privatleben und Beruf? Also wir trennen das überhaupt nicht. Wir reden hauptsächlich über Theater.” Es sei eine Lebensform, die beide gewählt haben. „Gil sagt gerne: Wir sind Theatersoldaten. Und das stimmt ein bisschen. Der Beruf bestimmt das Leben.” Sie scheint glücklich damit zu sein.

„Chicago“: 28. und 29. Mai, 6. Juni, Oper Bonn, Karten: 0228 – 77 80 08

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