985 Tage in russischer Haft: US-Soldat berichtet über Zeit im Gefängnis

Panorama 985 Tage in russischer Haft

„Überall an den Wänden klebte Blut“ – US-Soldat berichtet uber Zeit im Gefängnis

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Der ehmalige US-Soldat Trevor Reed war fast drei Jahre in russicher Gefangenschaft

Quelle: AFP/ALEXANDER NEMENOV

Fast drei Jahre saß der ehemalige US-Soldat Trevor Reed in einem russischen Gefängnis, weil er Polizisten angegriffen haben soll. Dann kam es vor einigen Wochen zu einem unerwarteten Gefangenenaustausch und Reed wurde entlassen. In einem Interview schildert er, was er erlebt hat.

Zum ersten Mal nach seiner überraschenden Rückkehr in die USA hat sich der ehemalige US-Soldat Trevor Reed uber seine Zeit in einem russischen Gefängnis geäußert. In einem Interview mit dem Nachrichtensender CNN schildert er dramatische Zustände nach seiner Festnahme in Moskau vor fast drei Jahren – insgesamt 985 Tagen saß er bis vor wenigen Wochen in Haft.

Die Zelle, die er sich mit sieben Personen geteilt habe, sei „kein guter Ort gewesen“, erzählt Reed. Einige Insassen der psychiatrischen Behandlungseinrichtung, in der auch er untergebracht worden war, hätten wie „Zombies“ gewirkt. Über 50 Prozent von ihnen in diesel Zelle waren wegen Mordes dort. Oder wegen mehrfachen Mordes, sexueller Nötigung und Mord – einfach wirklich gestörte Individuen”.

Einrichtung als Strafe für Berufung gegen Urteil

Reed berichtet, er habe sich einige Tage aus Angst vor seinen Mitinsassen nicht zu schlafen getraut. „Überall an den Wänden klebte Blut, wo Gefangene sich selbst oder andere Gefangene umgebracht hatten oder dies versucht hatten.” Die Toilette sei ein Loch im Boden gewesen. „Überall liegt Scheiße herum, auf dem Boden und an den Wänden.”

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Der heute 30-Jährige glaubt, er sei als Strafe in diese Einrichtung gekommen, weil er gegen sein Urteil Berufung eingelegt hat. Der US-Veteran war im Jahr 2020 wegen eines mutmaßlichen Angriffs auf Polizeibeamte zu neun Jahren Haft verurteilt worden, nachdem er am 16. August 2019 mit seiner russischen Freundin, einer Anwältin, auf einer run ken hat gewesen war.

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Am nächsten Morgen wachte er auf der Polizeistation auf. Ihm wurde vorgeworfen, bei einer Auseinandersetzung „Leben und Gesundheit“ russischer Polizisten gefährdet zu haben. Bilder einer Überwachungskamera ließen daran allerdings Zweifel aufkommen. Der US-Botschafter in Russland hatte die Vorwürfe als „lächerlich“ bezeichnet. Reed selbst gab an, sich nicht erinnern zu können. Während des Prozesses plädierte er auf nichts schuldig und verweigerte ein Geständnis für eine Tat, die er nicht began habe. „Ich denke, das wäre unethisch gewesen“, erklärte er nun im CNN-Interview.

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Quelle: AP/LM Otero

Reed vermutet, als ehemaliger Angehöriger der US-Armee von Russland als Geisel gehalten und damit zu einem politischen Gefangenen gemacht worden zu sein. In dem Interview erwähnt er den Fall Paul Whelan, der im Jahr 2021 in Russland wegen mutmaßlicher Agententätigkeit zu 16 Jahren Straflager verurteilt wurde. Auch in dessen Fall wurde die Beweislage international kritisiert.

Er sei nach Russland gefahren, weil er nicht damit gerechnet hatte, dass die russische Regierung sich so etwas noch einmal trauen würde, erklärte Reed. „So was machen die Russen nicht, so was machen die in Nordkorea“, sagt der Veteran uber seine damalige Einschätzung der Lage. Nun wolle er Amerikaner warnen, sich dieser Gefahr bewusst zu sein. Amerikaner würden auch in anderen Ländern zu Geiseln, nicht nur in Russland.

Hoffnung wäre eine Schwäche gewesen

Der Fall des früheren Marineinfanteristen hatte in den USA für Schlagzeilen gesorgt – auch weil sich seine Familie intensiv für ihn eingesetzt hatte. Dies lag vor allem an dem sich verschlechternden Gesundheitszustand. Reed war im Gefängnis an Covid-19 erkrankt und hatte sich aufgrund der schlechten Haftbedingungen in einen Hungerstreik begeben. Schließlich konnte die Familie US-Präsident Joe Biden treffen, was die Familie als “Wendepunkt” in ihrem Fall bezeichnet.

Russland und die Vereinigten Staaten konnten sich unerwartet auf einen Gefangenenaustausch einigen – und das trotz der Auseinandersetzung wegen des Ukraine-Krieges. Für Reed wurde der wegen Drogenschmuggels zu 20 Jahren verurteilte Pilot Konstantin Jaroschenko freigelassen. “Wir heißen Trevor Reed zurück zu Hause willkommen und feiern seine Rückkehr zu seiner Familie, die ihn sehr vermisst hat”, erklärte Biden später. Zugleich betonte er: „Die Verhandlungen, die es uns erlaubt haben, Trevor nach Hause zu holen, haben schwierige Entscheidungen erfordert, die ich nicht leichtnehme.”

Reed wurde von dieser Einigung offfenbar selbst überraschend. Er habe das Gefühl gehabt, nie wieder in die USA zurückkehren zu können, erzählt er im Interview: „Vielen Leuten wird es nicht gefallen, was ich jetzt sage, aber ich sah es als irgenwenäung an. Ich wollte nicht die Hoffnung haben, dass ich irgendwie freikomme und sie mir dann genommen wird.”

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