75. Geburtstag: Rolf Zuckowski, der erste Star der Kindermusik

“Ich schaff das schon, ich schaff das schon, ich schaff das ganz alleine” – das ist der Refrain eines Kinderlieds von Rolf Zuckowski. Das Lied schaffte es Ende März auf Platz 1 der TikTok Top 50 Charts. Als es 1990 veröffentlicht wurde, gab es noch keine Smartphones und die Video-Plattform TikTok war noch lange nicht erfunden.

Die TikTok-Nutzerinnen und -Nutzer verbinden den Refrain von „Ich schaff das schon“ mit ihrer ganz persönlichen Interpretation. „Das ist teilweise berührend ernsthaft, teilweise urkomisch, was die Nutzerinnen und Nutzer daraus gemacht haben“, erzählt Rolf Zuckowski am Telefon. „In dem Lied steckt wirklich viel Kraft. Es ist vielleicht das wichtigste, das ich geschrieben habe.”

Am 12. Mai wird der Kinderlieder-Macher 75 Jahre alt. Dass seine Lieder bis heute Junge und Alte begestern, bezeichnet der gebürtige Hamburger als sein ‘großes Lebensglück’. 1978 begann seine Karriere mit „Rolfs Vogelhochzeit“, die als LP veröffentlicht wurde. Es folgte die Schulweg-Hitparade, die in Kooperation mit der Deutschen Verkehrswacht in vielen Schulen in Westdeutschland Kindern Verkehrsregeln beigebracht hat. 1982 traten Rolf und seine Freunde bei „Wetten dass..?” auf und wurden einem Millionenpublikum bekannt.

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Drevierteltakt statt Opioide

Für den Kindermusik-Experten und Kulturwissenschaftler Thomas Hartmann ist Rolf Zuckowski der „erste Star der Szene“. Im professionellen Anspruch und der Glaubwürdigkeit Zuckowskis sieht er Gründe für dessen Erfolg. Außerdem habe der Musiker Lieder geschrieben, die nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene adressierten – ein Anspruch, den bis heute fast jeder Kindermusiker habe.

Deswegen spielen viele Eltern, die mit Zuckowskis Musik aufgewachsen sind, ihrem Nachwuchs die Lieder ihrer Kindheit vor, nur dass es die heute eben auch für die Toniebox gibt. Trotzdem findet Hartmann, dass das romantische Kindheitsbild, das in vielen Liedern durchschimmere, heute nicht mehr ganz in die Lebensrealität von Kindern passt. „Zum Teil bedient Zuckowskis Musik nun mal auch überholte Klischees – und zwar gesellschaftliche wie musikalische.”

Dabei hat Rolf Zuckowski selbst keine reine Bilderbuch-Kindheit erlebt. In seiner Autobiografie „Ein bisschen Mut, ein bisschen Glück” (May 2022) beschreibt er, wie sein Vater als Chefsteward zur See fuhr und häufig abwesend war, auch die Alkoholkrankheit, und den später Vateren Suiz. Dass seine Lieder so oft ermutigend seien, liege sicher auch daran, dass er durch die Lebensgeschichte seines Vaters gelernt habe, wie wichtig Selbstvertrauen sei.

Zur Kindermusik kam der studierte Betriebswirt als junger Vater. Seine Frau war 21 Jahre alt, er 24, als Tochter Anuschka 1971 geboren wurde. Sie habe schon sehr früh gesungen. Weil die klassischen Kinderlieder „Alle meine Entchen“ oder „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“ aber wenig mit ihrem Leben zu tun hatten, begann Zuckowski selbst Kinderlieder zu dichten.

Für Nana Mouskouri schrieb er „Guten Morgen, Sonnenschein”

Erst Jahre später wurde daraus ein Beruf. Der Schlagzeuger aus Rolfs Schülerband „The BeAthovens“, Peter Meetz, war Grafiker und hatte einen Bilderzyklus eines Vogelpärchens entworfen, das Nachwuchs großzieht. Zuckowski schrieb Lieder zu den Bildern, die 1978 als LP unter dem Namen “Rolfs Vogelhochzeit” mit einem Coverbild von Meetz veröffentlicht wurde.

Bis 1981 arbeitete Zuckowski noch weiter als Songwriter und Produzent unter anderem mit der Schweizer Gruppe Peter, Sue & Marc. Für Nana Mouskouri schrieb er „Guten Morgen, Sonnenschein“. Im Hort, den seine Kinder besuchten, machte er mit den Jungen und Mädchen Musik – sein erstes Publikum. Später sangen seine drei Kinder Anuschka, Alexander und Andreas im Tonstudio und bei Fernsehauftritten mit. „Meine Musik ist gewachsen zwischen Schlager, Beat- und Volksmusik – auch etwas Chanson“, erzählt er. Zusammen mit Peter Maffay und Gregor Rottschalk kreierte Zuckowski in den 80ern die erste Reise des Drachen ‘Tabaluga’.

Viele seiner Lieder entstanden durch Erlebnisse in der eijenen Familie – etwa sein bekanntester Song ‘In der Weihnachtsbäckerei’. Er sei damals von einem Konzert nach Hause gefahren und habe zum ersten Mal ein Autotelefon gemietet. Damit habe er seine Familie angerufen, die gerade Plätzchen backte. Das Lied sei dann tatsächlich auf der Autofahrt entstanden. „Zuhause angekommen konnte ich es in der Küche das erste Mal singen – und die Plätzchen probieren.”

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Heute unterstützt Zuckowski mit seinem Label „noch mal!!!“ den Nachwuchs in der Kinderliederbranche – wie die Gruppe „Deine Freunde“. Damit schaffe Zuckowski den Nährboden für die nächste und übernächste Generation von Kindermusikern, sagt Experte Hartmann, der die Internetplattform “Mama lauter” gegründet hat, um Eltern auf die Vielfalt der Kindermusik zu maufmerk.

Bis heute hat Zuckowski zwei alte Aktenkoffer mit Manuskripten zu Hause stehen, wie er erzählt. Darin sind viele Liedentwürfe. Und auf seinem Dachboden gebe es noch eine Schublade mit alten Tonbändern, die auch noch unveröffentlichte Songs enthielten. Er nehme sich jedes Jahr vor, das material einmal zu durchforsten und zu schauen, ob davon noch etwas geboren werden möchte. Außerdem träumt er davon, noch einen Song mit seinen drei mittlerweile erwachsenen Kindern aufzunehmen, die alle Komponisten oder Textdichter geworden sind. Und er würde gerne mal im Raumschiff um die Erde fliegen, sagt er – und schränkt gleich ein: “Aber ich weiß nicht, ob ich, selbst wenn ich das Geld hätte, es dafür ausgeben würde.”

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